Bodenseewoche 2011
02.06.2011 14:57 von Annette Graul
Ein eindrucksvolles Fest auf und am Wasser auch für Ruder-Fans
Nun gehört sie schon wieder der Vergangenheit an: die Bodenseewoche 2011. Viele aktive Sportlerinnen und Sportler und vor allem unzählige helfende Hände haben die Veranstaltung wieder zu dem gemacht, was sie war: eine gelungene, publikumswirksame und mitreißende Sache.
Obwohl der freitägliche Auftakt leider etwas verregnet startete, tat dies der Begeisterung keinen Abbruch. Die Vereinsmitglieder aus Konstanz und Kreuzlingen, die bei der Standbetreuung eingeteilt waren, konnten sich zwar nicht über riesige Besucheranstürme freuen – dennoch war die Laune gut und man nutzte die Zeit am Stand, um gemeinsam ein Schwätzchen zu halten. Immerhin gab es auch in der Ausstellung an Land viel zu bestaunen und auszuprobieren. Die Ruderbewegung konnte von neugierigen Besuchern nicht nur auf den klassischen Ergometern, sondern auch auf einem eigens angefertigten Rudersimultor erprobt werden, in dem ein echter Rollsitz rollte und die Blätter durchs Wasser schnellten.
Die Vorbereitung für den Ruder-Auftakt Imperia-Sprint konnte glücklicherweise im Trockenen und mit aufgeräumter Stimmung durchgeführt werden: die Gigboote mit Lämpchen versehen, mit den Steuerleuten die Strecke abfahren, Bojen legen und die letzte Stärkung im Clubraum (in Form von Sportler-Tortellini oder auch mit kraftspendendem Gerstensaft) einnehmen.
Die Regatta selbst produzierte eine Vielzahl an kleinen Anekdoten und Geschichtchen. Zwar kamen wetterbedingt nicht sooo viele Zuschauer an die Mole, aber jene, die dort waren, erlebten grandiose Augenblicke! Jedes der sieben Boote lieferte sich mit dem jeweiligen Gegnerboot ein hartes Kopf-an-Kopf-Rennen. Kein Boot gab sich kampflos geschlagen. Die Steuerleute gaben ihr Bestes – sogar das Publikum an der Mole wunderte sich über die Stimmkraft der einen oder anderen Steuerfrau. Dass dieser Einsatz in einem Fall sogar zu einer Kehlkopfentzündung führte, blieb den meisten natürlich verborgen. Hinter den Kulissen eilten fleißige Helferinnen zwischen Bar uns Steg hin und her um an die ausgeschiedenen Mannschaften Freibier zu verteilen. Schließlich sollten sie nicht die Laune verlieren deshalb. Alle miteinander erlebten auf jeden Fall einen eindrücklichen Kampf im Finale. Bootsspitze an Bootsspitze schoben die Mannschaften aus Kreuzlingen und Radolfzell ihre Gigs in den Hafen. Knapp aber deutlich holte Radolfzell dann den Wanderpokal nach Hause. Dass zwei der Radolfzeller eigentlich Konstanzer sind, sei an dieser Stelle nur nebenbei erwähnt J. Als die beleuchteten Boote dann begleitet vom Beifall der Zuschauen und stimmungsvoller Musik den Hafen verließen, erlebten sowohl Ruderer als auch Publikum dies als einen sehr stimmungsvollen Moment.
Die Clubnacht im Festzelt dauerte für viele nicht so lange – schließlich wartete am Samstag ein aufregender und anstrengender Tag auf die meisten. Neben dem Stilrudern wartete das Achterrennen am Abend.
Das Stilrudern wurde auch in diesem Jahr als Städtekampf Kreuzlingen gegen Konstanz ausgetragen. Die Kreuzlinger traten zur Musik von Sister Act an und lieferten als Boot Nr. 2 eine klasse Performance. Besonders ihr stilechtes Nonnenkostüm kam spektakulär rüber. Für erfahrene Ruderer stellte sich die Frage, wie die Damen es wohl schafften, die wehenden Gewänder von den Rollschienen fern zu halten. Jedoch gelang es ihnen nicht, ihren Pokal vom Vorjahr zu verteidigen. Denn dieses Jahr lag die Konstanzer Mannschaft – erstmalig mit einem Mann angetreten – ganz knapp vorn. Zwar verpatzten sie eine Wende, überzeugten sonst aber mit sauberer Blattarbeit und innovativeren Figuren. Auch ihr Kostüm musste dem Kreuzlinger Boot in nichts nachstehen. Als Venezianische Voga-Longa-Gruppe boten sie mit der dazu passenden Musik ein sehr rundes und gelungenes Gesamtbild.
Die Jury, zusammengesetzt aus der Kreuzlinger Vertretung von Herbert Lenz (Ehrenvorsitzender RCK) und Denise Keller (Leistungsruderin) und den Konstanzern Stephanie Peters (Vorsitzende RVNK) und Jonas Wagner (amtierender Weltmeister in seiner Klasse), tat sich schwer, klare Qualitätsunterschiede zwischen den beiden Booten fest zu machen. Aber sie hatten sichtlich Freude an ihrer Aufgabe. Und wie auch alle anderen Regatten wurde das Stilrudern im Konstanzer Hafen vom Moderationsduo Annemarie Bär (RCK) und Sebastian Ahlhelm (RVNK) begleitet. Sie gaben wissenswerte Informationen zum Rudersport, einige Ausblicke in die Geschichte des Ruderns und nicht zuletzt auch spannende Anekdoten zum Besten.
Für das Achterrennen am Abend, gestartet etwa 20 Uhr auf der Höhe des Staader Yachthafens wurden in diesem Jahr neu drei Pokale ausgelobt – Männer-, Mixed- und Frauenboote fuhren jeweils in eigenen Wertungen. Es gab unter den zehn startenden Booten also drei nominelle Siegerboote – und noch mehr ‚Sieger der Herzen‘. Als erstes Boot – mit einer sagenhaften Zeit von unter 18 Minuten – kam das Lindauer Mixed-Boot ins Ziel. Aufgrund eines Einteilungsfehlers durch die Regatta-Leitung konnte dieses Skull-Boot beim Gig-Start 2 Minuten vor den Rennbooten starten. Und so konnten die Lindauer das schnellste 3-Miles-of–Constance-Rennen aller Zeiten fahren. Gefolgt wurden sie vom stärksten Männerboot, den Schaffhausern. Diese siegten in der Männerwertung das dritte Mal in Folge und können somit den Pokal ganz mit nach Hause nehmen. Alle anderen Siegerboote müssen im kommenden Jahr die Wanderpokale wieder verteidigen. In der Frauenwertung gewann haushoch das routinierte Boot der Tübinger Frauen. Sie fuhren erwartungsgemäß ein sehr gutes Rennen. Ihr im Verhältnis niedriger Altersdurchschnitt und ihre Regattaerfahrungen konnten sie absolut für sich nutzen.
Als Sieger der Herzen können viele weitere Boote gefeiert werden. In der Männerwertung hatte klar das Kreuzlinger Boot das härteste Rennen. Denn den Defekt am Rollsitz auf Platz 2 haben sie fast kaltblütig kompensiert. Zunächst hat Urs Brauchli versucht, während dem Rennen seinen Sitz zu reparieren. Als dies nicht gelang, ruderte er mit verkantetem Rollsitz weiter und gab alles aus dem Oberkörper heraus. Und dies alles, ohne nur einen Moment das Boot zu stoppen! Die Steuerfrau Denise Keller hat in dieser Situation gemeinsam mit der Mannschaft wirklich großartige Leistung gezeigt.
In der Mixed-Wertung können die Stuttgarter als Sieger der Herzen benannt werden. Nur wenige Tage zuvor entschieden sie sich spontan, am Rennen teilzunehmen. Trotz einiger Karambolagen mit den Überlingern gelang es ihnen, ordentlich Fahrt aufzunehmen. Und wenn der Lindauer Gigachter nicht gescullt, sondern geriemt hätte… man weiß nicht, wie es ausgegangen wäre.
Bei den Frauenbooten starteten neben Tübingen noch Luzern und Konstanz-Kreuzlingen. Die Luzerner Frauen setzten im letzten Jahr eigentlich den Grundstein für die Gründung des Konstanz-Kreuzlinger Bootes. Durch das Luzerner Boot bekamen die Konstanz-Kreuzlinger Damen Lust, ebenso an der Bodenseewoche zu starten. Sie nutzte insgesamt vier Monate Trainingszeit um einen Haufen Breitensport-Frauen zwischen 30 und Anfang 60 zu einer Rennmannschaft zu machen. Dass sie das Überlinger Rennboot mit sieben Männern und zwei Frauen an den Riemen lange auf Distanz halten konnten und ihnen das Überholen auf den letzten Metern wirklich schwer machten, steht für ihre Leistung. Der gemeinsame Zieleinlauf, den hauchdünn Überlingen mit einer Bootsspitze Vorsprung für sich entschied, war sowohl für die Ruderinnen und Ruderer in den Booten als auch für das Publikum Nervenkitzel pur!
Aber die Konkurrenz auf dem Wasser war im Festzelt auf der Mittelmole schnell vergessen. Mit bester Laune stürmten die hungrigen Ruderinnen und Ruderer das Pasta-Buffet und feierten ihre ganz individuellen Erfolge bis spät in der Nacht.
Mit vielen stimmungsvollen Bildern im Kopf freuen wir uns schon jetzt auf die Bodenseewoche im nächsten Jahr – vom 1. bis 3. Juni 2012.
Fotos von Annette Graul und Thomas Kirchhoff




































