Vogalonga - ein faszinierendes Erlebnis!
29.06.2011 19:37 von Helmut Hauser
Die Vogalonga wird seit 37 Jahren in Venedig jeweils am Pfingstsonntag durchgeführt. Die Route umfasst ca. 30 km, startet im Canale di San Marco vor dem Dogenpalast und führt über Burano, Murano, Canale di Cannaregio, Canal Grande zum Ziel bei der Kirche Santa Maria della Salute.
Nun der Bericht über die Venedigfahrt der NeptunerInnen:
Axel hat eine Barke vom Deutschen Ruderverband organisiert, die mit Karls Wagen einen Zug von ca. 18 Metern umfasste.
Start war am Freitag, 10. Juni bei Axels Firma und flott ging es Richtung San Bernardino bis – ja bis Karl im Rückspiegel die Reste eines Anhängerreifens sah.
Stopp also bei schönem Sonnenschein vor Zillis. Fachkundige Hände bzw. Köpfe sahen darin kein Problem, sondern nur eine kurze ungeplante Pause. Und weiter ging es mit Reserverad flott ins Mesocco, nach Milano und dann weit um Venedig herum nach Punta Sabbioni, wo wir nach über 11 Stunden landeten.
Einige Expeditionsteilnehmer waren mit Christofs Wagen schon vorher auf unserem Campingplatz Miramare eingetroffen. Der Platz hat den Charme vergangener Jahrzehnte, die Bungalows hatten aber alles was eine Rudermannschaft benötigt.
Ulli – unsere freundliche Quartiermacherin – hatte die Unterkunft bestens im voraus organisiert, denn durch Pfingsten und Vogalonga (überall standen Hänger mit Ruderbooten) war alles ausgebucht.
Am Samstag war die Abholung der Regattaunterlagen angesagt, ein Venedigbummel im Gewitter und nachmittags die Wasserung unserer Barke. Diese ist 11 m lang, hat vier Reihen mit jeweils zwei Sitzen nebeneinander, also Platz für acht Galeerenruderer und eine Steuerbank für zwei bis drei Personen und wiegt ungefähr 650 kg.
Dieser Koloss (mit Hänger ca. 1,5 t) musste über Gras, Sand und Schlamm mit tatkräftiger Hilfe des örtlichen Ruderclubs Treporti ins Wasser gezogen werden. Danach wurden Boot und RudererInnen auf Herz und Nieren getestet und nach einer Ruderstunde konnte die Aktion erfolgreich abgeschlossen werden.
Abends fand die taktische Besprechung mit Vino della Casa im nahen Restaurant statt.
Pfingstsonntag, 12. Juni, Tag der Vogalonga:
Ablegen mit der Barke, die bei Ebbe im Trockenen lag, um 07.15 Uhr, denn wir hatten rund zehn Kilometer bis zum Startplatz zu rudern. Hunderte Boote schaukelten bereits im Canale di San Marco – alle Arten von Ruderbooten (Gondeln bis zu zehn Ruderern, Drachen- und Kirchboote, Vierer, Achter, Kajaks, Kanadier), viele geschmückt mit Blumengirlanden, Fahnen, dazu kostümierte Besatzungen – ein phantastisches Bild!
Ja, und wir? Unsere Barke war mit Rosen- und Liliengirlanden dekoriert und auch ein echter Geranientopf fehlte nicht! Einheitliche T-Shirts, dazu die berühmten blauen Neptunmützen. Gekrönt wurde dies durch eine große Konstanzflagge am Heck. Unser Club war würdig vertreten! Vor dem Start ertönte Musik übers Wasser und ein Sprecher stimmte die Crews auf das große Ereignis ein. Auf italienisch – und natürlich haben wir Wort für Wort verstanden!
Dann ertönte Punkt Neun ein Kanonenschuss und rund 1.800 Boote aus ganz Europa starteten zur 37. Vogalonga.
Ein erhebendes Gefühl! Die Barke glitt erstaunlich leicht durchs Wasser und mit dem Geschick der Steuerleute wurden wir durch die Vielzahl der Boote geleitet, die in einem endlosen Konvoi neben, hinter und vor uns ruderten. Kajaks bewegten sich wie Wasserflöhe unberechenbar dazwischen.
Der erste Engpass war durch Burano, Boote verkeilten sich ineinander, aber irgendwie ging es immer weiter.
Die südliche Sonne heizte uns ein und für ein wenig Wind waren wir dankbar. So ruderten und ruderten wir im Pulk weiter nach Murano, angefeuert von zahlreichen Zuschauern. Rufe zu anderen Booten nach Herkunft etc. lockerten die Atmosphäre auf. Im Übrigen war die Stimmung an Bord ausgezeichnet. Daniel war unser Kameramann und wir alle sind schon gespannt auf seine DVD.
Mittag war vorbei und Cannaregio kam in Sicht, die Mannschaft hielt sich tapfer, erste Druckstellen wurden einfach negiert. Bei der Ponte dei Tre Archi befand sich die engste Stelle der Route und es konnte jeweils nur ein Boot nach dem anderen passieren. Hier war einerseits Rücksicht gegenüber den anderen Booten angesagt, aber nicht grenzenlos, denn wir wollten schließlich weiter.
Das Finale im Canal Grande ohne Motorboote! Denn an diesem Tag war Motorbootverbot und selbst die Vaporetti fuhren nicht. Stellt Euch vor, am Pfingstsonntag wird der Seerhein für alle Motorboote und Kursschiffe gesperrt, weil eine Ruderregatta stattfindet!! Also Hut ab vor den Organisatoren in der Serenissima. Der letzte Bootsstau war im Ziel am Ende (oder ist es der Anfang) des Canal Grande mit Medaillenempfang. Dabei mußte im Gedränge der Boote eine Dolle dran glauben.
Unser Törn war noch nicht zu Ende, denn wir hatten noch die Strecke bis Punta Sabbioni vor uns, die wir durch eine Badepause verkürzten. Glücklich landeten wir ca. 16.30 Uhr beim Ruderclub Tre Porti.
Die lange Ruderzeit ging erstaunlich schnell vorbei, es war ja auch sehr viel zu sehen, die große Zahl der teilnehmenden Boote sowie Venedig aus unterschiedlichsten Perspektiven. Einfach faszinierend!
Der Ausklang des Tages im bereits erwähnten Restaurant wurde mit Ruderlatein und typisch italienischen alkoholischen Getränken (könnten größere Mengen Wein gewesen sein) immer lockerer und parallel dazu die lädierten Körperteile immer weniger spürbar.
Am Montag fand sich für nochmaliges Rudern keine Mehrheit, die Intensivruderer haben das Votum jedoch sportlich akzeptiert. Nach einem weiteren Stadtbummel wurde nachmittags die Barke mit dem Kran aus dem Wasser gehoben. Als das Boot auf dem Hänger war gab es rundum Erleichterung, denn von der Krananlage und deren Sicherheit mussten zuvor erst mal alle überzeugt werden.
Im Clubgelände wurden Kinder und Jugendliche im Gondelrudern ausgebildet und einige unserer Ruderinnen sowie Daniel übten am Steg und auf einer schaukelnden Gondel. Übrigens könnten wir mit Neptun-Gondeln das sportliche Spektrum am Seerhein erweitern! Die Mitglieder des Clubs Treporti war äusserst engegenkommend und kooperativ und wir wurden eingeladen, im kommenden Jahr an einer Ruderregatta nach Cavallino teilzunehmen, die eine Woche nach der Vogalonga stattfindet. Na, vielleicht wird dies was?
Zur Festigung unserer Freundschaft erhielten wir einen Wimpel (der im Clubraum hängt) und wir überreichten die große Konstanzflagge. Wäre übrigens schön, wenn unser Club auch so einen Wimpel hätte.
Dienstag – Tag der Rückreise, die ohne Probleme und Reifenplatzer abging.
Zum Schluss einen herzlichen Dank an Axel für die Barke, Ulla für die Quartierbeschaffung und Abrechnung (die ja nicht so einfach war), an Karl und Christof für die Autos sowie allen Anderen, die mitgeholfen haben.
Was bleibt: Eine wunderschöne Erinnerung an die Vogalonga und der Vorsatz, eventuell im nächsten Jahr wieder mitzumachen!
Die Teilnehmer vom Neptun:
- Axel, Birgit, Christof, Claudia, Daniel, Doro, Elmar, Helmut, Karl, Nicol, Ulla
PS: Weitere Informationen auf - vogalonga.com















































