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Abenteuer an der Mosel

19.06.2011 10:45 von Monika Böhm

Ruderfreaks erobern eine der am meisten befahrenen Wasserstraßen Europas

564 Kilometer schlängelt sich die Mosel von ihrem Ursprung, dem Col de Bussang, bis zur Mündung in den Rhein am Deutschen Eck in Koblenz. Angetan von den bereits durch die Römer gepriesenen blühenden und reichen Landschaften sind vierzehn Ruderfreaks Freitags vor Pfingsten aufgebrochen, um mit einer Barke die Strecke von Zeltingen-Rachtig bis Kobern-Gondorf zu erobern.

Als Stützpunkt hatte Armin die Jugendherberge in Mayen, dem „Tor zur Eifel“ gebucht. Nach einem Frühstück, das fast keine Wünsche offen ließ, waren wir ausreichend gestärkt, um die Barke beim Koblenzer Ruderclub Rhenania abzuholen. Trotz des Gewichts der, mit acht Ruder-, einem Steuermann- und +/- drei Lümmelplätzen ausgestatten Barke ließen wir mit vereinten Kräften das Boot zu Wasser und ruderten frohen Mutes in dem ungewohnt trägen Untersatz von dannen. Vorbei an den Weinbergen der Gemeinde Kröv mit der berühmten Lage „Kröver Nacktarsch“ über Traben-Trarbach, um 1900 neben Bordeaux der wichtigste Weinhandelsplatz, bis es an der Schleuse Zeltingen dämmerte und vierzehn hungrige Ruderfreaks ins nächst gelegene Restaurant einfielen, um die mittlerweile reduzierte Speisekarte rauf und runter zu essen. Natürlich sprachen wir auch kräftig dem Moselwein zu. Heidi war ganz besonders von der weißen Rebsorte Elbling, der ältesten Weinsorte Europas angetan.

Morning has broken… oder Schlaflos an der Mosel?

Etwas abgekämpft durch die bisherigen kurzen Nächte, machten wir am nächsten Morgen unsere erste Schleusendurchfahrt, die wir Dank Heidis Erfahrungen bravourös meisterten. Im Mai 1964 wurde die Mosel von Metz bis Koblenz als Schifffahrtsstraße mit 14 Schleusen freigegeben. Bis heute sind 394 km der Mosel mit insgesamt 28 Staustufen ausgebaut und schiffbar gemacht worden. Die von uns erhoffte Strömung flussabwärts ließ wegen der Staustufe zu wünschen übrig, sodass wir auf der zweiten Tagestour zeitweise durch wechselseitiges Pausieren das Boot am laufen hielten. Je weiter wir, von Kursschiffen und Freizeitbooten begleitet ruderten, desto steiler wurden die Weinberge. Der Steillagenweinbau römischen Ursprungs hatte Ende des 19. Jahrhunderts seine größte Ausdehnung erreicht. Die Terrassenanlagen sind, neben ihrer agrartechnischen Bedeutung, durch ihre bis ins Mittelalter zurückreichende Bewirtschaftungsform und oft meisterliche Architektur, Zeugnisse von hohem kulturhistorischem Wert. Nach einem ausgedehnten Picknick in Cochem und „Ständchen“ für unser Geburtstagskind Marina machten wir uns zum Tagesziel, der Rudergesellschaft Treis-Karden auf. Trotz der bislang maximal erreichten sechs/sieben Stundenkilometer kamen wir noch im Hellen an und endlich auch mal richtig früh, etwa um 24:00 Uhr ins Bett!

Am Pfingstmontag hatten wir immer noch nicht genug vom Sekt und tranken vor dem Abrudern noch einmal auf Marinas Geburtstag. Wieder auf der Strecke brachte uns ein Zeltplatzbewohner mit seiner Posaune ein Ständchen, das die Mannschaft beflügelte, endlich etwas mehr Druck auf die Blätter zu geben. Gut gelaunt erreichte wir unsere letzte Schleuse, die wir dicht an dicht mit einem Motor- und einem Schlauchboot passierten. Der Endspurt auf den letzten zwei Kilometern nach Kobern-Gondorf brachte noch einmal einen Energieschub, sodass wir alle traurig waren, dass das Rudern auf der schönen Untermosel beenden mussten. Man soll halt aufhören, wenn es am schönsten ist.

Nach der Reinigung der Barke auf dem Bootsplatz des Koblenzer Ruderclubs fuhren wir, je nach Fitnessgrad schlafend oder singend, zurück Richtung Bodensee und waren uns einig, dass die von unsrem Armin organisierte Moseltour für uns alle ein einzigartiges Erlebnis war!

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